Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine manuelle Medizin, Philosophie, Kunst und Wissenschaft

 

Die Grundsteine der Osteopathie wurden vor ungefähr 150 Jahren durch den Arzt Dr. Andrew Taylor Still in Amerika gelegt. Seither entwickelt Sie sich in verschiedenen Ländern stetig weiter. In einigen Ländern wie z.B. den USA (osteopathischer Arzt), England, Schweiz, Brasilien, Italien, Norwegen, Neuseeland oder Australien ist der Beruf  Osteopath*in inzwischen vollständig im medizinischem Versorgungssystem implementiert.

 

Die Osteopathie ist wie jede andere Disziplin im ständigen Wandel und damit neuen Erkenntnissen und Paradigmen unterworfen. Ein wichtiger Aspekt der Osteopathie ist laut dem Begründer Dr. Andrew Taylor Still jedoch eine effiziente und nachvollziehbare Therapie.

 

Ferner sollen sich Osteopath*innen durch folgende Fertigkeiten auszeichnen:

 

Gründliches Studium der Anatomie und der medizinischen Fächer 

Erlangung der manuellen Handkunstfertigkeit

Entwicklung einer eigenen osteopathischen Herangehensweise/ Technik/ Erklärung

Optimistisch - selbstreflektierte - philosophische Lebenseinstellung

 

 

 

Ziel der Osteopathie ist eine verbesserte Anpassung der verschiedenen Körpersysteme zueinander.

 

          

Dazu orientieren sich Osteopath*innen momentan an fünf Modellen

 

 

 

 

Wie arbeitet ein Osteopath?

 

Die Hauptarbeitswerkzeuge des Osteopathen sind seine Hände. Diese werden in einem mindestens fünfjährigen Studium geschult und sensibilisiert, um Funktionsstörungen in Ihrem Körper ertasten und manuell behandeln zu können.

 

Dazu benutzt der Osteopath verschiedene Techniken. Diese reichen von chiropraktischen Eingriffen über rhythmische Mobilisierungen, Druck-, Schiebe- und Haltetechniken bis hin zu sehr subtilen Verfahren, die von außen sogar an Handauflegen erinnern. Je nachdem, was der Körper benötigt, um ihn in seiner Selbstkorrektur zu unterstützen, werden diese Techniken angewandt.

 

 

"Häufig stellen mir Patienten, nachdem ich einen Tastbefund erhoben habe , verwundert die Frage: Und das haben Sie gespürt!?

 

Man käme wahrscheinlich nicht auf die Idee einem Musiker (hören), Parfümeur (riechen), Koch oder Sommelier (schmecken) diese Frage zu stellen. Von diesen Fachdisziplinen wissen wir, dass man einen Sinn schulen und verfeinern kann. Bei der Hand, dem Arbeitswerkzeug des Osteopathen, handelt es sich sogar um das empfindlichste Sinnesorgan des Menschen. Warum sollte mann also nicht lernen können Verspannungen und Qualitäten der Körpergewebe über die Hände zu beurteilen?

 

Um Verspannungen und Blockaden nachhaltig lösen zu können, nutzt der Osteopath unter anderem sein Wissen über Anatomie und Physiologie des Körpers. Dieser ist ständig versucht sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen bzw. bemüht eine (neue) Balance zu herzustellen. In der Fachsprache nennt man dies Homöodynamik. Sie können diesen Vorgang bei sich selbst jederzeit beobachten. Ihre Atmung, der Herzschlag, Lidschlag, die Wärmeverteilung des Körpers, die Heilung einer Wunde usw. sind Hinweise dafür, dass der Körper nach Gesundheit und Balance strebt. Wir verhalten uns im Grunde genommen ständig selbstregulierend bzw. selbstheilend.

 

Manchmal jedoch kann der Körper eine größere Wunde, Blockade oder Störung nicht mehr ganz von alleine beheben. Wir brauchen dann Unterstützung von Außen. Das kann das Nähen einer Wunde sein, eine Wärmflasche, die Zugabe von Sauerstoff , oder einfach das Handauflegen bei Zahn - oder Bauchschmerzen."

Ein kleines Behandlungsbeispiel

Eine Frau klagt seit vielen Jahren nach dem Joggen über Schmerzen im rechten Knie. Die bildgebende Diagnostik zeigt keine "deutlichen" Gewebeveränderungen an.

 

Der Osteopath stellt anamnestisch fest, dass die Patientin vor Jahren bei einem Sprung auf einem kleinen Stein aufkam. Seitdem gibt es eine Verschiebung im unteren Sprunggelenk, welche die Biomechanik des gesamten Beins negativ veränderte. Zudem gibt es deutliche Spannungen und leichten Druckschmerz (z.B. aufgrund einer Verklebung) im Bereich der Blinddarmregion. Dies beeinflusst das benachbarte Darmbein-Kreuzbeingelenk (ISG), das dadurch blockiert (aus osteopathischer Sicht und Erfahrung kann das ISG eine Ventilfunktion für die gesamte Beckenregion einnehmen und somit sekundär blockieren) und die Kompensationsfähigkeiten Beckenhüftregion vermindert. Die verminderte Dämpfung von Sprung- und Darmbein-Kreuzbeingelenk kann bewirken, dass das Knie vermehrt Stöße abfangen muss, was wiederum die seitlichen Bänder strapazieren kann – der Körper meldet als Schutzmaßnahme Schmerz.

 

Aufgabe der osteopathischen Behandlung besteht nun darin, die Ursachen der Beschwerden im Sprunggelenk und im Darm manuell zu behandeln.

 

"Hierbei handelt es sich um ein stark vereinfachtes Behandlungsbeispiel! Es soll lediglich verdeutlicht werden, das Ursachen einer Schmerzsymtomatik auch mit anderen Bereichen des Körpers zu tun haben können. Natürlich spielen in jedem Behandlungskonzept auch psycho-neuro-sozio-immunologische Aspekte eine wesentliche Rolle."